Substrat für Kakteen

Substrat wird auch umgangssprachlich als Erde bezeichnet. Der Gärtner nennt die Erde oder Erdmischung in seiner Fachsprache Substrat.

Als ich mit meiner kleinen Kakteensammlung begann, besuchte ich einen regionellen Kakteen-Verein. Erstaunlich war für mich die Erkenntnis das fast jeder Kakteenliebhaber oder Sammler sein eigenes Geheimrezept für die passende Erdmischung hatte! Nachdem Besuch und den vielen Meinungen war ich doch sehr verunsichert.

Wenn man sich aber mal die Heimatstandort der Kakteen näher betrachtet, wird auch die mögliche Erdmischungen logischer. Viele Kakteen wachsen in humusarmer oder humusfreier, mineralischen Verwitterungsböden. Zumindest Kakteen aus Steppen, den Hochlagen der Anden und aus trockenen Wüstenregionen. Dann gibt es aber auch die Kakteen welche in niedrigen Höhen mit humushaltiger Erde und sogar in feuchten Urwäldern vorkommen. Diese benötigen eine ganz andere Erdmischung. Der Humusanteil muß höher sein.

Auch die Pflanzenform hat Einfluß auf die Erdmischung. Viele Kakteen haben faserige Wurzeln. Es gibt aber auch einige Kakteen mit dicken knollartigen Wurzeln. Die letzteren mögen meist nicht andauernde Feuchtigkeit oder Wasser an den Wurzeln. Für solchen Knollenwurzler ist eine grobe Drainage oft empfehlenswert. Dies erklärt auch warum viele Kakteen in recht unterschiedlichen Substraten mehr oder weniger gut zu recht kommen.

Da wir unsere Kakteen auch beim Substrat optimal versorgen möchten, machen wir es uns auch hier nicht so einfach. Zu Beginn erst mal eine kleine Auflistung welche Erde für Kakteen weniger geeignet ist.

  • Blumenerde = zuviel Humus = zu mastiges Wachstumg und evtl. Fäulnis.
  • Erde mit zu hohem pH-Wert = ein pH-Wert über 7 tötet die meisten Kakteen! Folge = Chlorose.
  • kein Bausand = zu kalkhaltig – Folge = Chlorose.

Nun wissen wir bereits was Kakteen nicht mögen. Das ist der erste Schritt zu einer besseren Erdmischung.

Optimale Kakteenerde sollte nicht zu lange feucht bleiben damit keine Fäulnis ensteht. Das Substrat sollte durchlässig bleiben und möglichst nicht verdichten. Optimal ist ein Substrat welches die Nährstoffe vom Gießwasser aufnimmt und langsam wieder an die Kakteenwurzeln abgibt. Je nach heimatlichen Standort, ist eine Mischung aus humushaltiger Erde und mineralischen Bestandteilen ein sehr gutes Kakteensubstrat. Welche Inhaltsstoffe und in welchem Verhältnis wird nach Anforderung variiert.

Tipp zur Erdmischung

Die beste Erdmischung ist diese welche an die Anforderung der Pflanze, dem Wetter, dem Gießmöglichkeiten, den Düngemöglichkeiten, dem Standort und den Pflegemöglichkeiten angepasst wurde.

Die eine beste Erdmischung gibt es nicht. Die Erdmischung ist immer im Zusammenhang mit dem Gießen und Düngen und dem Standort als Gesamtes zu betrachten.

Meine Favorit für eine sehr gute Erdmischung

25-75% Kakteenerde aus dem Kakteenfachhandel und der Rest wird je nach Kakteenart mit mineralischen Substrat wie Bimskies oder Lavalit oder humusarmer Erde ergänzt. Wichtig ist dabei das man in der Wachstumsphase auch alle 2-4 Wochen die Pflanzen mit Kakteendünger versorgt. Hier ist der Anteil an Bimskies, Lavalit oder vergleichbaren mineralischen Anteilen wichtig, da diese die Nährstoffe aufnehmen und langsam an die Pflanze abgeben können! Durch den hohen mineralischen Anteil trocknet das Substrat auch zügig ab und es besteht kaum die Gefahr von Würzelfäulnis.

Substrat für Kakteen
Substrat für Kakteen

Im Prinzip kann man dieses Grundrezept mit vielen Ersatzsubstraten variieren. Die Kakteenerde aus dem Fachhandel kann gegen Blumenerde oder TKS1 (Torfkultursubstrat) oder Pikiererde ausgetauscht werden. Besonders TKS1 oder Pikiererde sind hier geeignet, da diese einen geringeren Humusanteil wie herkömmliche Blumenerde haben. Statt Bimskies und Lavalit kann man auch esteinsverwitterungen wie Basalt, Gneis, Granit, Schiefer oder Ziegelsplitt verwenden. Wichtig ist im Prinzip ein gewisser Humusanteil und ein gewisser mineralischer Anteil wie er in etwa in der Heimat der zu pflegenden Kakteen vorkommt.

Was für die meisten Kakteen gilt, ist allerdings für die meisten epiphytischen Kakteen falsch. Fast alle Tropenwaldkakteen benötigen eine andere Erde. Hier hat sich hervorragend Rhododendronerde bewährt. Der saure pH-Wert ist sehr Wachstums- und Blütenfördernd. Oster- und Weihnachstskakteen gedeihen prächtig in solch einer Erde!

Woher bekommt man die passenden Substratanteile? Im Kakteenfachhandel. TKS1 oder Pikiererde gibt es in Gartencentern und Baumärkten. Mineralische Substrate sind in Gartencentern und Baumärkten oft schlecht oder in zu grober Ausführung oder nur in 30 KG Packungen erhätlich. Alternativ findet man diese aber auch im Aquarienfachhandel.

Vor dem Einsatz der ersten Substratmischung sollte man den pH-Wert prüfen. Liegt dieser über 7 würde man die meisten Kakteen recht schnell ins Jenseits befördern. Dafür gibt es elektronische Messgeräte oder einen chemischen Indikatortest. Bezugsquellen sind hier der Gartenhandel oder Garten- und Baumärkte. Ist der pH-Wert zu hoch hilft hier meist das hinzufügen von Torfmull, welches den pH-Wert reduziert.

Meine Erdmischung für viele Kakteen

Gerne verrate ich euch meine Erdmischung, welche ich für die meisten Kakteen verwende.

  • 50% – 70% Kakteenerde Standard von Kakteen Uhlig (70% mineralische Anteile, 15% Weißtorf, 15% Kokosfasern.
  • 30 -50% mineralische Anteile wie Vulkangestein, Bimskies und andere mineralische Zuschlagstoffe.

Bei humusliebenden Kakteen wird die Standarderde mit 70% angesetzt. Bei Gattungen und Arten mit empfindlichen Wurzeln wird der mineralische Anteil für eine verbesserte Drainage erhöht. Mineralische Anteile erhöhen den Sauerstoffaustausch. Sauerstoff erhöht das Wurzelwachstum.

Warum ich nicht 100% mineralisches Substrat verwende

Das habe ich in meinen Anfängen auch ausprobiert. Damals gab es einige Kakteen-Experten welche auf rein mineralisches Substrat geschwört haben. Das hat auch bei mir im ersten Jahr sehr gut funktioniert. Im zweiten oder dritten Jahre kümmerten die Pflanzen allerdings meist. Die Blühfreude hatte bei den meisten Kakteen spürbar nachgelassen. Das ist aber auch logisch. Mineralisches Substrat hat kaum bis gar keine Nährstoffe. Selbst bei agressiver Düngung wird bei folgenden Wässerungen ein Großteil des Düngers ausgewaschen. Das funktioniert nur wenn sehr viel gegossen und gedüngt wird. Für mich zum einen selten praktierzierbar. Und vor allem ist es für mich wenig effizient und ökologisch nicht vertretbar.

Eine ausgewogene Mischung von Humus und mineralischen Bestandteilen ist für viele Lobivien, Echinopsis, Echinocereen und viele anderen Wüsten- und Gebirgskakteen eine gute bis sehr gute Mischung.

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