Kann man einen Crassula ovata als Bonsai gestalten? Ein echter Bonsai fasziniert jeden Pflanzenfreund durch seine kleine Baumform. Viele Menschen schrecken aber vor der komplizierten Pflege traditioneller Bonsais zurück. Laubgehölze und Nadelbäume reagieren oft sehr empfindlich auf kleinste Pflegefehler. Ein einziger vergessener Schluck Wasser kann das Todesurteil für den Baum bedeuten.
Genau hier kommt der Crassula ovata Bonsai ins Spiel. Diese Pflanze ist in Deutschland auch unter dem Namen Pfennigbaum oder Geldbaum bekannt. Sie gehört zur Familie der Sukkulenten und stammt ursprünglich aus Südafrika. Der Pfennigbaum bringt alle Eigenschaften mit die ein Anfänger für den Einstieg in die Bonsaikunst braucht. Er verzeiht Fehler bei der Pflege und sieht trotzdem innerhalb kurzer Zeit wie ein uralter Baum aus. Mit dieser Anleitung verwandelst du deinen gewöhnlichen Pfennigbaum in ein echtes Meisterwerk für die Fensterbank.

Inhaltsverzeichnis
Warum eignet sich die Crassula ovata perfekt als Bonsai?
Der Pfennigbaum ist ein wahres Wunder der Natur wenn es um die Gestaltung als Miniaturbaum geht. Seine biologischen Eigenschaften machen ihn zu einem idealen Kandidaten für die Wohnungshaltung und den sommerlichen Aufenthalt im Freien. Er erfordert nicht die jahrelange Geduld eines klassischen Ahorns oder Wacholders. Du siehst hier die wichtigsten Gründe für den Erfolg dieser Sukkulente als Bonsai.
Die botanischen Vorteile des Pfennigbaums
Sukkulenten besitzen die Fähigkeit zur extremen Wasserspeicherung. Der Pfennigbaum nutzt dafür seine dicken Blätter und auch seinen gesamten Stamm. Das hat für dich als Bonsai-Gärtner einen riesigen Vorteil im Alltag. Wenn du das Gießen einmal komplett vergisst leidet der Baum nicht sofort darunter. Er greift einfach auf seine eigenen Reserven in den Blättern zurück.
Ein weiterer botanischer Vorteil ist das schnelle Dickenwachstum. Der Stamm des Pfennigbaums nimmt rasch an Umfang zu. Das ist bei normalen Bäumen oft ein jahrzehntelanger Prozess. Die Crassula ovata entwickelt diese begehrte Altersoptik schon nach wenigen Jahren. Zudem besitzt die Pflanze eine hohe Regenerationskraft. Sie treibt nach einem Rückschnitt fast immer willig wieder aus dem alten Holz aus.
Visuelle Eigenschaften für die Bonsai-Gestaltung
Ein guter Bonsai muss die Proportionen eines alten Baumes in der Natur widerspiegeln. Der Pfennigbaum bringt dafür optimale Voraussetzungen mit. Die Blätter sind von Natur aus eher klein und fleischig. Durch gezielte Kulturmaßnahmen und den richtigen Schnitt reduzieren sie ihre Größe noch weiter. Sie passen sich dann perfekt an die Proportionen des kleinen Stammes an.
Die Rinde der Crassula ovata verändert sich mit dem Alter auf eine faszinierende Weise. Bei jungen Pflanzen ist der Stamm noch grün und saftig. Mit der Zeit verholzt die Oberfläche und bekommt eine silbergraue oder bräunliche Färbung. Es entstehen Ringe und Strukturen die einer echten Baumrinde täuschend ähnlich sehen. Der Baum wirkt dadurch uralt obwohl er vielleicht erst wenige Jahre alt ist. Außerdem verzweigt sich die Pflanze bei gutem Licht ganz harmonisch von alleine.
Die optimalen Standortbedingungen für maximales Wachstum
Der Erfolg deiner Bonsai-Gestaltung hängt ganz massiv vom richtigen Standort ab. Der Pfennigbaum ist zwar robust aber er hat klare Vorlieben beim Thema Licht und Temperatur. Nur mit den passenden Bedingungen wächst der Baum kompakt und gesund.
Lichtbedarf und Sonnenstunden im Haus
Licht ist der wichtigste Motor für das Wachstum deines Crassula ovata Bonsais. In seiner Heimat Südafrika brennt die Sonne unbarmherzig vom Himmel. Du musst dem Baum daher auch in deiner Wohnung den hellsten verfügbaren Platz geben. Ein Platz direkt an einem großen Südfenster ist für diese Pflanze der absolute Hauptgewinn. Auch Westfenster oder Ostfenster funktionieren meistens noch gut.
Zu wenig Licht führt bei der Crassula ovata zu einem großen Problem. Biologen nennen dieses Phänomen Geilwuchs. Die Pflanze bildet dann sehr lange und dünne Triebe aus. Die Abstände zwischen den einzelnen Blättern werden riesig. Der Baum versucht auf diese Weise verzweifelt das fehlende Licht zu erreichen. Für einen Bonsai ist dieser Wuchs absolut unbrauchbar. Die Äste werden instabil und brechen unter dem eigenen Gewicht zusammen. Zudem bleiben die Blätter bei Lichtmangel groß und dunkelgrün. Viel Sonne sorgt dagegen für kleine Blätter und einen wunderschönen roten Blattrand.
Der perfekte Sommerplatz auf dem Balkon oder der Terrasse
Du solltest deinem Pfennigbaum Bonsai nach Möglichkeit einen Sommerurlaub im Freien gönnen. Ab Mitte Mai nach den letzten Nachtfrösten ist die beste Zeit dafür. Das Wachstum an der frischen Luft ist mit dem Wachstum im Zimmer nicht zu vergleichen. Die echte Sonne und der Wind stärken die Struktur der Pflanze enorm.
Allerdings darfst du den Baum nicht sofort aus dem Zimmer in die pralle Mittagssonne stellen. Die Blätter der Crassula ovata müssen sich erst an die ultraviolette Strahlung gewöhnen. Stelle den Bonsai für die ersten zwei Wochen an einen schattigen oder halbschattigen Platz. Danach verträgt er die volle Sonne problemlos. Der Temperaturunterschied zwischen dem heißen Tag und der kühlen Nacht hat einen tollen Nebeneffekt. Er regt den Baum dazu an den Stamm schneller zu verdicken. Der Bonsai wird dadurch viel kompakter und widerstandsfähiger.
Die Überwinterung im kalten Halbjahr
Im Winter braucht der Pfennigbaum eine ausgeprägte Ruhephase. Das ist wichtig für die Gesundheit und den natürlichen Lebensrhythmus der Pflanze. Die ideale Temperatur für die Überwinterung liegt zwischen 10 und 15 Grad Celsius. Ein heller Flur oder ein ungeheiztes Schlafzimmer sind perfekte Orte dafür.
Bei diesen kühlen Temperaturen stellt der Baum sein Wachstum fast vollständig ein. Du musst dein Gießverhalten jetzt radikal anpassen. Der Bonsai braucht im Winterquartier nur noch minimale Wassergaben. Die Erde darf wochenlang fast trocken sein. Vermeide im Winter unbedingt einen Platz direkt über einer warmen Heizung. Die warme Heizungsluft sorgt für einen unnatürlichen Austrieb bei zu wenig Winterlicht. Zudem vermehren sich Schädlinge wie Spinnmilben in der trockenen Luft rasant.
Infobox: Der Profi-Trick für kleinere Blätter
Du wünschst dir extrem kleine Blätter für eine perfekte Bonsai-Optik? Das Geheimnis liegt in der Kombination aus maximalem Sonnenlicht und knapper Bewässerung. Je mehr direkte Sonne die Pflanze bekommt desto weniger Blattfläche braucht sie für die Fotosynthese. Wenn du das Gießen zusätzlich so weit wie möglich hinauszögerst bleiben die neuen Blätter winzig und kompakt. Sie entwickeln dann auch den begehrten roten Zierrand an den Blatträndern.
Die richtige Bonsaierde und das perfekte Pflanzgefäß
Die Wurzeln des Pfennigbaums sind die Schwachstelle der gesamten Pflanze. Sie reagieren extrem empfindlich auf zu viel Feuchtigkeit. Deshalb spielen das Substrat und die Schale eine entscheidende Rolle für das Überleben deines Bonsais.
Das Substrat für Sukkulenten-Bonsais
Verwende für deinen Crassula ovata Bonsai niemals normale Blumenerde aus dem Baumarkt. Diese Erde enthält zu viele organische Bestandteile und speichert das Wasser viel zu lange. Die Wurzeln des Pfennigbaums würden in diesem feuchten Milieu innerhalb kurzer Zeit verfaulen. Der Baum kann dann kein Wasser mehr aufnehmen und stirbt unrettbar ab.
Eine perfekte Bonsaimischung für Sukkulenten besteht fast nur aus mineralischen Bestandteilen. Bewährt hat sich eine Mischung aus Akadama und Bims sowie Lava zu gleichen Teilen. Akadama ist ein spezielles Tongranulat aus Japan das die Feuchtigkeit nur in Maßen speichert. Bims und Lava sorgen für eine dauerhaft lockere Struktur der Erde. So kann überschüssiges Gießwasser sofort nach unten abfließen. Außerdem kommt durch die grobe Struktur viel Sauerstoff an die Wurzeln. Das fördert ein gesundes Wurzelwachstum und verhindert Fäulnisprozesse.
Die Auswahl der passenden Bonsaischale
Die Wahl der richtigen Schale ist nicht nur eine Frage der Ästhetik. Sie erfüllt auch wichtige Funktionen bei der Pflege deines Pfennigbaums. Das wichtigste Merkmal einer guten Bonsaischale sind die Abzugslöcher im Boden. Diese Löcher müssen ausreichend groß sein damit das Wasser ungehindert abfließen kann. Decke diese Löcher vor dem Einpflanzen mit kleinen Kunststoffgittern ab. So fällt das grobe Substrat nicht durch die Öffnungen nach draußen.
Für den Crassula ovata Bonsai eignen sich besonders flache Schalen. Sukkulenten bilden von Natur aus ein eher flaches Wurzelsystem aus. Eine flache Schale bremst das Tiefenwachstum der Wurzeln rechtzeitig ab. Bei der farblichen Gestaltung hast du freie Wahl. Unglasierte Tonschalen in Erdtönen passen hervorragend zum natürlichen Look der Rinde. Eine blau oder grün glasierte Schale bildet dagegen einen tollen Kontrast zu den roten Blatträndern.
Pfennigbaum Bonsai pflegen: Gießen und Düngen mit Strategie
Die richtige Versorgung mit Wasser und Nährstoffen entscheidet über die Vitalität deines Baumes. Hier unterscheidet sich die Sukkulenten-Pflege ganz deutlich von der Pflege normaler Bonsais.
Richtig gießen ohne Staunässe
Beim Gießen des Pfennigbaum Bonsais gilt eine goldene Regel für jeden Gärtner. Weniger ist fast immer mehr. Der Baum kann in seinen dicken Blättern problemlos Wasser für mehrere Wochen speichern. Du solltest den Bonsai daher erst dann wieder gießen wenn das Substrat vollständig ausgetrocknet ist. Das gilt nicht nur für die Oberfläche sondern für die gesamte Tiefe der Schale.
Mache vor jedem Gießen den bewährten Fingertest. Stecke deinen Finger etwa zwei Zentimeter tief in das Substrat hinein. Fühlt sich die Erde dort noch feucht oder kühl an? Dann warte lieber noch ein paar Tage mit dem Gießen. Wenn die Erde komplett trocken und staubig ist wird es Zeit für Wasser. Gieße dann aber durchdringend so lange bis das Wasser aus den Bodenlöchern herausläuft. Schütte das überschüssige Wasser im Untersetzer nach ein paar Minuten unbedingt weg.
Nährstoffversorgung für schnelles Dickenwachstum
Ein Bonsai lebt in einem sehr begrenzten Raum mit wenig Erde. Daher verbrauchen sich die Nährstoffe im Substrat recht schnell. Dein Crassula ovata Bonsai braucht regelmäßige Düngergaben für den Aufbau eines dicken Stammes. Verwende dafür am besten einen speziellen Sukkulentendünger oder einen organischen Bonsaidünger. Diese Dünger enthalten weniger Stickstoff und dafür mehr Kalium und Phosphor. Das sorgt für feste Gewebestrukturen und verhindert ein unnatürliches Geilwachstum der Triebe.
Dünge den Baum ausschließlich in der Hauptwachstumsphase von April bis September. Eine Gabe alle drei bis vier Wochen ist in dieser Zeit absolut ausreichend. Im Herbst und im Winter stellst du das Düngen komplett ein. Eine Überdüngung erkennst du schnell an sehr weichen Trieben und riesigen unschönen Blättern. Die Äste verlieren dann ihre Stabilität und hängen schlaff nach unten.
Die Gestaltung: Den Crassula ovata Bonsai richtig schneiden
Der Schnitt ist das wichtigste Werkzeug bei der Gestaltung deines Miniaturbaumes. Durch das gezielte Einkürzen der Äste bestimmst du die spätere Form und die Dichte der Krone.
Der Erhaltungsschnitt für die feine Verzweigung
Der Erhaltungsschnitt dient dem Aufbau einer dichten und buschigen Baumkrone. Der Pfennigbaum wächst bei guter Pflege recht zügig. Er bildet an den Enden der Äste immer neue Blattpaare aus. Lass einen neuen Trieb zunächst auf vier bis fünf Blattpaare heranwachsen. Schneide den Trieb dann vorsichtig auf ein oder zwei Blattpaare zurück.
Benutze für den Schnitt immer eine scharfe Bonsaischere. Setze den Schnitt etwa einen halben Zentimeter über dem letzten verbleibenden Blattpaar an. Aus den Blattachseln dieses Paares treiben schon bald zwei neue Zweige aus. Auf diese Weise verdoppelst du die Anzahl der Äste mit jedem Schnitt. Der verbleibende kleine Stumpf trocknet nach dem Schnitt von ganz alleine ein. Er fällt später einfach ab ohne den Baum zu schädigen. Ein spezielles Wundverschlussmittel ist bei der Crassula ovata wegen des hohen Saftdrucks nicht notwendig.
Der Gestaltungsschnitt für die Baumform
Der Gestaltungsschnitt ist ein tiefgreifender Eingriff in die Struktur der Pflanze. Hier legst du die grundlegende Stilform des Bonsais fest. Betrachte deinen Baum vor dem Schnitt ganz in Ruhe aus Augenhöhe. Entferne als Erstes alle Äste die direkt am Stamm nach unten wachsen. Auch Zweige die sich kreuzen oder direkt nach innen in die Krone wachsen müssen weg.
Das gezielte Einkürzen der Hauptspitze ist ein wichtiger Schritt. Es nimmt dem Baum die Dominanz an der Spitze. Die Energie der Pflanze verteilt sich dadurch besser auf die unteren Äste. Versuche beim Schneiden klare Astetagen aufzubauen. Zwischen den einzelnen Laubbereichen sollte etwas Luft bleiben. Das verleiht dem Bonsai ein harmonisches und reifes Aussehen wie bei einem alten Baum in der Natur.
Radikalschnitt für einen dicken Stamm (Stammverjüngung)
Manchmal hat ein Pfennigbaum lange dünne Äste und sieht einfach nicht wie ein Bonsai aus. In diesem Fall hilft nur ein radikaler Rückschnitt im frühen Frühjahr. Die Crassula ovata verträgt diesen harten Eingriff erstaunlich gut. Du kannst den Hauptstamm an einer beliebigen Stelle komplett kappen.
Nach diesem Schnitt sieht die Pflanze zunächst sehr kahl und unschön aus. Doch der Baum schläft nicht. Der radikale Schnitt löst einen enormen Wachstumsschub aus den schlafenden Knospen des Stammes aus. Es entstehen überall neue Triebe aus dem alten Holz. Lass diese neuen Triebe zunächst ein paar Monate lang frei wachsen. Sie helfen dem Stamm dabei an Dicke zuzunehmen. Später wählst du den besten Trieb als neue Stammverlängerung aus und entfernst den Rest. Die große Schnittwunde trocknet schnell ab und überwallt mit den Jahren vollständig.
Vergleichstabelle: Die beiden Bonsai-Welten im Überblick
Hier siehst du die wichtigsten Unterschiede zwischen deinem Pfennigbaum Bonsai und einem klassischen Laubbaum Bonsai wie der Ulme oder dem Ahorn.
| Kriterium | Crassula ovata Bonsai | Klassischer Laubbaum Bonsai |
| Gießhäufigkeit | Sehr selten (nur bei völliger Trockenheit) | Sehr oft (oft täglich oder sogar mehrmals täglich) |
| Drahten | Kaum möglich (Äste brechen sehr leicht) | Sehr wichtig (Formung erfolgt meist über Draht) |
| Standort im Winter | Hell und kühl in der Wohnung | Meistens im Freien mit Frostschutz |
| Fehlerverzeihung | Extrem hoch (ideal für absolute Anfänger) | Sehr gering (Fehler führen schnell zum Blattverlust) |
| Wachstum des Stammes | Sehr schnell und ohne großen Aufwand | Braucht oft viele Jahre im Freiland |
Drahten und Formen beim Geldbaum Bonsai
Das Drahten ist in der klassischen Bonsaikunst das wichtigste Werkzeug für die Formgebung. Mit Aluminiumdraht oder Kupferdraht biegen Gärtner die Äste in die gewünschte Richtung. Beim Pfennigbaum musst du hier aber völlig umdenken.
Warum Drahten beim Pfennigbaum gefährlich ist
Die Struktur einer Crassula ovata unterscheidet sich grundlegend von normalen Bäumen. Die Äste sind nicht aus festem Holz sondern bestehen aus einem sehr saftigen und fleischigen Gewebe. Das macht die Zweige extrem schwer und gleichzeitig sehr brüchig. Wenn du versuchst einen dickeren Ast mit Draht zu biegen macht es ganz schnell Knacks. Der Ast bricht ohne jede Vorwarnung sauber ab und der mühsame Aufbau von Monaten ist dahin.
Ein weiteres Problem ist das schnelle Wachstum der Pflanze bei guten Bedingungen. Der Stamm und die Äste legen in den Sommermonaten rasant an Umfang zu. Ein straff gewickelter Bonsaidraht wächst innerhalb weniger Wochen tief in die weiche Rinde ein. Das hinterlässt hässliche und dauerhafte Spiralnarben auf dem Stamm. Diese Narben ruinieren die Optik des Baumes für viele Jahre. Aus diesen Gründen solltest du auf das klassische Einwickeln der Äste mit Draht beim Pfennigbaum fast immer verzichten.
Alternativen zum klassischen Bonsaidraht
Wie bekommt der Crassula ovata Bonsai nun seine schöne Form ohne Draht? Die Antwort lautet Clip and Grow. Das bedeutet übersetzt Schneiden und Wachsen lassen. Du formst den Baum fast ausschließlich durch die geschickte Auswahl deiner Schnittpunkte. Wenn ein Ast nach rechts wachsen soll schneidest du ihn direkt über einem schlafenden Auge ab das nach rechts zeigt. Der neue Trieb folgt dann ganz automatisch dieser vorgegebenen Richtung.
Für minimale Korrekturen kannst du die Technik des Abspannens nutzen. Möchtest du einen steil nach oben wachsenden Ast in eine waagerechte Position bringen? Binde ein weiches Band um den Ast und ziehe ihn vorsichtig nach unten. Befestige das andere Ende des Bandes an der Bonsaischale oder an einem schweren Stein auf der Erde. Verwende breite Bänder aus Bast oder weichem Kunststoff. Schmale Schnüre würden sich sofort in das saftige Gewebe einschneiden. Lass diese Abspannung für einige Monate am Baum bis der Ast die neue Position von alleine hält.
Umtopfen und Wurzelpflege Schritt für Schritt
Das Umtopfen ist für die Gesundheit des Pfennigbaums unverzichtbar. Es erneuert das verbrauchte Substrat und gibt den Wurzeln wieder neuen Raum zum Atmen.
Der beste Zeitpunkt für den Wurzelraum-Wechsel
Ein junger Pfennigbaum Bonsai sollte alle zwei Jahre ein neues Gefäß bekommen. Bei älteren Exemplaren reicht ein Rhythmus von drei bis vier Jahren völlig aus. Der perfekte Zeitpunkt für diese Arbeit ist das zeitige Frühjahr im März oder April. Die Pflanze erwacht dann gerade aus ihrer Winterruhe und besitzt enorme Kräfte für die Regeneration der Wurzeln.
Es gibt klare Anzeichen für den richtigen Zeitpunkt zum Umtopfen. Wenn das Gießwasser nur noch sehr langsam in die Erde einsickert ist das Substrat meistens verdichtet. Auch wenn sich der gesamte Baum durch das dichte Wurzelwerk leicht nach oben aus der Schale hebt musst du handeln. Nimm den Baum vorsichtig aus seiner Schale heraus. Löse die alte Erde mit einer kleinen Wurzelkralle oder einem Holzstäbchen komplett von den Wurzeln. Sei dabei besonders vorsichtig um die dicken Hauptwurzeln nicht zu verletzen.
Der Wurzelschnitt beim Pfennigbaum
Ein gesunder Baum braucht ein ausgewogenes Verhältnis zwischen der Krone und den Wurzeln. Schneide mit einer scharfen Schere alle abgestorbenen oder schwarz gefärbten Wurzelteile ab. Gesunde Wurzeln erkennst du an einer hellen Farbe und einer festen Struktur. Kürze die langen und dicken Pfahlwurzeln um etwa ein Drittel ihrer Länge ein. Dieser Schnitt regt den Baum zur Bildung von vielen feinen Haarwurzeln an. Nur diese feinen Wurzeln können die Nährstoffe optimal aufnehmen.
Nach dem Wurzelschnitt kommt der wichtigste Schritt bei dieser Sukkulente. Setze den Baum in die Schale mit dem neuen trockenen Substrat ein. Jetzt darfst du den Bonsai für mindestens eine Woche lang überhaupt nicht gießen. Das klingt für viele Bonsai-Anfänger seltsam ist aber überlebenswichtig. Die Schnittwunden an den saftigen Wurzeln müssen an der Luft komplett abtrocknen und verheilen. Wenn du sofort gießt dringen Pilze in die offenen Wunden ein und die Wurzeln verfaulen sofort. Stelle den frisch umgetopften Baum für zwei Wochen an einen hellen aber halbschattigen Platz ohne pralle Sonne.
Die perfekte Jahresuhr für deinen Pfennigbaum Bonsai
Mit dieser Übersicht weißt du in jedem Monat ganz genau was für deinen Crassula ovata Bonsai zu tun ist.
- Frühling (März bis Mai): Die beste Zeit für das Umtopfen und den Wurzelschnitt. Führe jetzt den radikalen Gestaltungsschnitt durch. Gewöhne den Baum langsam an den Außenbereich auf Balkon oder Terrasse.
- Sommer (Juni bis August): Der Baum steht nun vollsonnig im Freien. Gieße an heißen Tagen durchdringend nach dem Austrocknen der Erde. Dünge den Bonsai alle drei Wochen mit Sukkulentendünger. Führe den regelmäßigen Erhaltungsschnitt der Triebe durch.
- Herbst (September bis November): Hole den Baum vor dem ersten Frost unbedingt zurück in das Haus. Reduziere das Gießen schrittweise und stelle das Düngen ab Oktober komplett ein.
- Winter (Dezember bis Februar): Der Bonsai steht an einem kühlen und hellen Ort bei etwa 12 Grad Celsius. Gieße nur noch extrem selten und minimal. Kontrolliere die Blätter regelmäßig auf Schädlinge.
Vermehrung: Neue Mini-Bonsais kostenlos züchten
Ein großer Vorteil des Pfennigbaums ist seine unkomplizierte Vermehrung. Du kannst aus den Resten deines Rückschnitts ganz einfach neue Pflanzen heranziehen. Das kostet dich keinen Cent und macht extrem viel Spaß.
Stecklinge aus dem Schnittgut gewinnen
Bei jedem Erhaltungsschnitt oder Gestaltungsschnitt fallen Äste und Zweige ab. Wirf diese Reste auf keinen Fall in den Müll. Jeder dickere Zweig eignet sich hervorragend als neuer Steckling für einen zukünftigen Bonsai. Entferne einfach die untersten Blätter von dem abgeschnittenen Zweig damit ein kleiner nackter Stamm entsteht.
Jetzt kommt der wichtigste Schritt bei der Vermehrung von Sukkulenten. Lege die Stecklinge für drei bis vier Tage an einen trockenen und schattigen Ort in der Wohnung. Die Schnittwunde muss an der Luft komplett abtrocknen und eine feste Schutzschicht bilden. Wenn du den frischen Steckling sofort in feuchte Erde steckst faulenzt er innerhalb weniger Tage weg. Nach der Trocknungsphase steckst du den Zweig in eine Mischung aus Sand und Bonsaisubstrat. Gieße die Erde erst wenn sich die ersten Wurzeln gebildet haben. Nach wenigen Wochen bilden sich die ersten eigenen Wurzeln und der neue Mini-Baum beginnt zu wachsen.
Die Blattvermehrung für Geduldige
Die Vermehrung funktioniert beim Pfennigbaum sogar aus einem einzigen einzelnen Blatt. Wenn beim Umtopfen oder Pflegen ein gesundes Blatt abbricht kannst du dieses Blatt einfach flach auf die Bonsaierde legen. Drücke das Blatt nicht in die Erde hinein sondern lass es einfach auf der Oberfläche liegen.
Stelle die Schale an einen hellen Ort ohne direkte pralle Sonne. Halte die Erde mit einer Sprühflasche nur ganz minimal feucht. Nach einigen Wochen passiert ein kleines Wunder der Natur. Am kopfseitigen Ansatz des Blattes entstehen winzige rote Wurzeln die sich ihren Weg in die Erde suchen. Kurz danach wächst an derselben Stelle eine winzige neue Pfennigbaumpflanze heran. Diese Methode erfordert zwar viel Geduld bietet aber einen faszinierenden Einblick in das Leben dieser Sukkulente.
Krankheiten und Schädlinge effektiv bekämpfen
Der Crassula ovata Bonsai ist extrem robust und wird nur selten von Krankheiten befallen. Wenn doch einmal Probleme auftreten liegt das fast immer an Fehlern bei der Pflege oder am falschen Standort.
Wollläuse und Schildläuse erkennen
Der häufigste Schädling am Pfennigbaum ist die Wolllaus. Du erkennst einen Befall sehr leicht an kleinen weißen Gespinsten die wie winzige Wattebäusche aussehen. Diese Schädlinge sitzen mit Vorliebe in den geschützten Blattachseln oder an den Unterseiten der dicken Blätter. Sie saugen den zuckerhaltigen Saft aus der Pflanze und schwächen den Baum auf Dauer.
Schildläuse sind dagegen flache braune Höcker die fest auf den Ästen oder Blättern sitzen. Sie sind durch ihren harten Panzer gut geschützt. Bei einem leichten Befall kannst du die Schädlinge einfach mit einem Wattestäbchen absammeln das du vorher in Alkohol oder Spiritus getaucht hast. Bei einem starken Befall hilft das Besprühen mit einer umweltfreundlichen Neemöl-Lösung aus dem Fachhandel. Isoliere den betroffenen Bonsai sofort von deinen anderen Zimmerpflanzen damit sich die Schädlinge nicht weiter ausbreiten können.
Wurzelfäule als Todesursache Nummer Eins
Die gefährlichste Erkrankung des Pfennigbaums ist die Wurzelfäule. Sie entsteht ausschließlich durch zu viel Gießwasser oder durch fehlende Abzugslöcher in der Bonsaischale. Das tückische an dieser Krankheit ist ihr Erscheinungsbild. Der Baum zeigt trotz feuchter Erde plötzlich schrumpelige und weiche Blätter. Viele Pflanzenbesitzer denken dann fälschlicherweise an Wassermangel und gießen noch mehr. Das beschleunigt den Tod des Baumes im Rekordtempo.
Die weichen Blätter entstehen weil die verfaulten Wurzeln kein Wasser mehr in die Krone transportieren können. Hier hilft nur noch eine sofortige Notfall-Operation. Nimm den Bonsai sofort aus der nassen Erde heraus. Schneide alle matschigen und schwarz verfaulten Wurzeln mit einer sauberen Schere radikal ab. Lass den Baum für mehrere Tage komplett ohne Erde an der Luft trocknen. Pflanze den Bonsai anschließend in frisches absolut trockenes Mineralsubstrat ein und gieße ihn für zwei Wochen überhaupt nicht. Mit etwas Glück rettest du deinen Baum so vor dem sicheren Tod.
Beispiel einer Bonsaigestaltung eines Crassula ovata
Den folgenden Crassula ovata habe ich im Mai 2007 in einer Kakteengärtnerei entdeckt. Scheinbar war das mal eine Mutterpflanze, von der man Stecklinge gemacht hat. Für die meisten eine hässliche Pflanze. Ich habe sofort einen zukünftigen Bonsai gesehen.

2008 im Frühjahr wurde die Pflanze in die erste Bonsaischale gepflanzt. Beim umtopfen wurde ein Wurzelschnitt gemacht und alle Blätter und überflüssig erscheinende Äste wurden entfernt. Im Oktober 2008 sah er dann wie folgt aus:

Der Bonsai wurde danach jährlich umgetopft, Wurzelschnitt, Blattschnitt und unpassende Äste entfernen. Im Oktober 2012 hat er sich wie folgt entwickelt:

Weitere 2 Jahre später im November 2014 hatte der Crassula ovata Bonsai folgendes Aussehen:

Nach rund 10 Jahren war der Stamm und das Wurzelwerk zu dick und groß für die kleine Schale. Jetzt lasse ich ihn erst einmal ein paar Jahre wachsen und werde dann daraus einen größeren Bonsai gestalten.
Weitere Sukkulenten die sich zur Gestaltung zum Bonsai eignen:
Portulacaria afra – Jadebaum – wird auch öfters im Bonsai-Fachhandel angeboten. Die Pflege ist überwiegend identisch wie beim Crassula ovata. Vorteil beim Jadebaum sind die kleineren Blätter.

Im Prinzip sind alle baumförmig oder buschig wachsende Sukkulenten die schnittverträglich sind zur Gestaltung als Bonsai geeignet. Der Geldbaum und Jadebaum sind davon die pflegeleichtesten.
Bezugsmöglichkeiten Crassula ovata als Bonsai
Pfennigbäume sind in vielen Haushalten bereits als Zimmerpflanze vorhanden. Ein Steckling ist leicht gemacht und kann die Grundlage für die eigene Entwicklung eines Bonsai-Baumes sein. Alte und zu groß gewordene Pflanzen werden öfter auf Ebay Privatanzeigen angeboten und sind sehr gute Lieferanten zahlreicher Stecklinge.
Craussla ovata und Portulacaria afra gibt es als sukkulente Pflanze häufig im Fachhandel für Kakteen und andere Sukkulenten wie Kakteen Haage und Kakteen Uhlig.
Manche Bonsai-Fachhändler bieten auch Rohlinge und vorgestaltete Bonsai-Pflanzen vom Portulacaria afra an. Häufig hat die Bonsaischule Enger solche Pflanzen im Lieferprogramm.
Fazit und Ausblick für deinen Bonsai-Erfolg
Der Crassula ovata Bonsai ist der perfekte Einstieg in die faszinierende Welt der Miniaturbäume. Seine Robustheit gegenüber Trockenheit und seine hohe Schnittverträglichkeit machen ihn zum idealen Partner für Anfänger und auch für vielbeschäftigte Pflanzenfreunde. Du brauchst für diesen Baum kein tiefes biologisches Fachwissen sondern einfach nur ein bisschen Fingerspitzengefühl beim Gießen.
Mit den Jahren entwickelt dein Pfennigbaum durch den gezielten Schnitt einen dicken knorrigen Stamm und eine wunderschöne dichte Krone. Er wird zu einem echten Blickfang auf deiner Fensterbank oder auf deinem sommerlichen Balkon. Die Beschäftigung mit diesem langlebigen Lebewesen schenkt dir einen wunderbaren Ausgleich zum stressigen Alltag. Nutze die Tipps aus dieser Anleitung und starte noch heute dein eigenes Bonsai-Projekt mit einer Crassula ovata.




